Galerie Christian Hosp präsentiert die erste europäische Solo-Ausstellung der in Berlin lebenden Künstlerin Nadia Kaabi-Linke. Unter dem Titel TATORT fasst die Kuratorin Jamila Adeli acht neuste Arbeiten der Künstlerin zu einer Ausstellung zusammen, die sich mit den Abdrücken des Lebens beschäftigt und den Ort der Tat genauer unter die Lupe nimmt. „Tatorte“, an denen Spuren sichtbar werden, sind für Nadia Kaabi-Linke zum Beispiel Graffiti auf Großstadtmauern oder menschlicher Talg auf Scheiben – unbeachtete menschliche Hinterlassenschaften, die sonst in der Alltäglichkeit verloren gehen.

Der Ausstellungstitel lädt zunächst dazu ein, die Arbeiten kriminologisch zu verstehen. Ähnlich wie ein Detektiv interessiert sich Nadia Kaabi-Linke für diese Spuren und Geschichten, die an „Tatorten“ hinterlassen werden. Um die unsichtbaren Risse in der Realität sichtbar zu machen, arbeitet sie ihre „Tatorte“ nahezu forensisch auf. So nimmt sie zum Beispiel mit Hilfe von professionellem Spurensicherungs-Pulver Abdrücke von Kratzern und Graffiti auf Scheiben von Buswartehäuschen und überträgt diese auf neues Glas. „Auch die Haut der Menschen kommt in Kontakt mit der Scheibe, so dass Talg und somit ein Teil des Körpers als Spur zurück bleib”, erklärt die Künstlerin.„Es hat etwas Gespenstisches, weil die Menschen tatsächlich da waren und Spuren von Haut und Haaren hinterlassen haben.“

Gewaltsame menschliche Akte verwandelt Kaabi-Linke in filigrane Schönheiten. Das drastischste Beispiel hierfür ist die Installation Fleischerei Glück, 2010, die edle Porzellanabdrücke von getrockneten Rindermägen zeigt. Die Inschrift auf Walter Benjamins Grabstein – „Es ist niemals ein Dokument der Kultur, ohne zugleich ein solches der Barbarei zu sein“ – beschreibt, was Nadia Kaabi-Linkes Werke pointieren: Ästhetische Schönheit und menschliche Gewalt fusionieren im Moment des Geschehens.



NADIA KAABI-LINKE. TATORT
SEPTEMBER 25 – NOVEMBER 13, 2010
















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